Glocknerlauf - oder, lerne deine Grenzen kennen!

Gleich vorweg, der Großglockner Berglauf war mein schlechtester Lauf aller Zeiten, mit der schlechtesten Platzierung aller Zeiten, aber verbunden mit Eindrücken die ich nie vergessen werde!

Ich gehöre ja auch zur Kategorie der Verteiler guter Ratschläge, um sie dann selbst nicht zu befolgen. Das bedeutet, dass ich - aus gesundheitlichen Gründen - gar nicht starten hätte sollen, plagte mich letzte Woche doch eine hartnäckige Magen-Darm-Verstimmung. Das Ergebnis daraus war, dass die Tage zuvor meine Energie unfreiwillig im Klo entschwand. Dass ich saft- und kraftlos war hätte mir also zu Denken geben sollen.

Trotzdem, nach einem saumäßig verregnetem Samstag war der Sonntag ein Traum. Wolkenlos, klare Sicht die Berge zum Greifen nahe, der Großglockner in seiner vollen Pracht! So machte auch ich mich an den Start, nichtahnend, dass mich hier der schwierigste Berglauf Österreichs und einer der härtesten Europas erwartete!

Die Streckenführung ist ziemlich ident mit dem HIER vorgestellten Wanderweg. Am Start fröhliche Stimmung, viele bekannte Gesichter und absolute Topläufer. Zwei bis drei Kilometer geht es "flach" dahin und ab da nur mehr hinauf. Da läufst du an schmalen Pfaden, über Felsen, über Gletscherbrücken, an Gebirgsseen (Margaritzenstausee) und tosenden Wasserfällen vorbei, über und - auf wackligen Steinen - durch Bäche hindurch, auf steilen Wegen, an noch steileren Abgründen vorbei, hin zur Pasterze und in einer Umgebung, die dir schlichtweg den Atem raubt bis dich dann die letzten, extrem steilen - 800m zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe ins Ziel bringen. Alleine das war es Wert dabei gewesen zu sein!

Über den Rest wollte ich den Mantel des Schweigens hüllen, aber es hilft nix, denn mein persönliches Ergebnis war eher vom olympischer Gedanken geprägt. Denn von 887 Teilnehmern wurde ich 862, von 19 Teilnehmern meiner Altersklasse wurde ich Letzter! Und als einer meiner Lauffreunde mir erklärte wie schön es sei, wenn du die letzten paarhundert Meter im Klettersteig durch ein Spalier von Zusehern läufst musste ich leider antworten: "Bei mir war keiner mehr!!"

Fazit: Man kann und soll einen Großglockner Berglauf nur gesund absolvieren. Ich habe wieder etwas dazu gelernt, bin aber letztendlich froh dabei gewesen zu sein! Es ist also durchaus möglich, dass ich auch in Hinkunft Bergläufe absolviere, aber nur dann, wenn die Leistung der Bezeichnung gerecht wird. Das bedeutet "Läufe" wie diese, bei denen ich auch in Bestform kaum die Hälfte der Strecke läuferisch absolvieren kann, dürften in Zukunft nicht mehr in meinem Laufkalender stehen! Ich wohne zwar inmitten von Bergen, aber Gams (Gemse) werde ich keine ;-)

Kommentare:

  1. Tja, die Sache mit der Vernunft...
    Auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch - immerhin bist Du ins Ziel gekommen; und ich weiß, welcher Berg mich nie sehen wird...

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  2. Lars,
    ohne es selbst zu probieren hätte ich es nicht gewusst. Ich bin ins Ziel gekommen und dankbar dafür!

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  3. Lieber Reinhard,



    wie immer es auch für dich gelaufen ist, das Foto ist der Knaller, du lachst und freust dich trotz aller erfahrenen Widrigkeiten.

    Aus Fehlern..............selbst Älteren gelingt es immer wieder, Dinge zu tun, die MANN eigentlich nicht tun sollte, und die Quittung folgt auf der Stelle.

    Trotz allem hört sich dein Bericht positiv an, du hast es geschafft, und ich denke, die Erfahrung, unter den letzten angekommen zu sein, wird dir auch in Zukunft dabei behilflich sein, solche Fehler nicht mehr zu machen.

    Wie auch immer, du hast es geschafft, was manche vielleicht an diesem Tag von sich nicht behaupten konnten.

    Erhole dich gut und freue dich ! 8)

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  4. Margitta,
    danke für deinen Zuspruch. Das tut, speziell von deiner Seite, sehr gut!
    Dass MANN bei der Verwirklichung (s)eines Egotrips ordentlich einfahren kann, habe ich bereits vor diesem lehrreichen Sonntag erlebt. Aber MANN lernt hat nie aus ;-)))

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  5. Hallo Reinhard,

    Du stellst Du Licht unte den Scheffel. Dein Blog sieht sehr professionell aus und auch wie Du ihn betreibst ist spitze.
    Da kann ich nur meinen Hut vor ziehen!

    Bzgl. Glocknerlauf sag ich nur: Bergläufe insgesamt sind schon eine Kategorie für sich und wie Du schon geschrieben hast sollte man dafür gesund sein ;-)

    Ich freu mich auf Deinen Anruf. Dann können wir mal paar Tria-/Website Tipps austauschen.


    Es grüßen die Bergfreunde,
    Martin

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  6. Auf so einen Berg rauf zu tackeln ist eben nicht ganz so einfach, wie das aus der Ferne immer aussieht. Dann mit den Voraussetzungen - ein hartes Stück Arbeit. Aber du hast es gepackt, das ist auch eine starke Leistung. Von der Zeit und Platzierung zwar vielleicht ein Fehler - aber bei so schönem Wetter, wer möchte da den Lauf sausen lassen?

    Ich verstehe dich durchaus.

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  7. Hannes
    danach ist man immer klüger. Aber, hätte ich es nicht probiert, es würden mir einige Antworten fehlen. Jetzt ist alles klar!
    Dir ganz liebe Grüße und alles Gute - Reinhard

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  8. Nimms gelassen!
    Du hast ja gesagt es waren unvergessliche Eindrücke. Das zählt. Und die Tatsache, dass Du gefinished hast. Trotz der gesundheitlichen Probleme.
    Obwohl Du natürlich ein hohes Risiko eingegangen bist!
    Beim nächsten Mal wird´s besser.
    Gruß Gerd

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  9. Gerd
    der Urlauber, der trotzdem hautnah am Geschehen ist. Deine (An)Teilnahme freut mich sehr, auch deine aufmunternden Worte. Dieses Berg-Abenteuer war natürlich wunderschön, vor allem aber überaus lehr- und ereignisreich!!

    Liebe Grüße und noch einen wunderbaren Urlaub - reinhard

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  10. Jeder, der da oben laufend ankommt, ist ein Sieger - und Zeit sowie Rang sind doch dann zweitrangig.

    Ein Satz in Deinem Bericht beschreibt die Motivation absolut treffend ..."Wolkenlos, klare Sicht die Berge zum Greifen nahe, der Großglockner in seiner vollen Pracht!"... da wäre wohl sogar ich ein Stück mitgelaufen. Obwohl ich nun wirklich kein Bergläufer bin!

    Schöne Grüße aus Bayern!
    Lars

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  11. Lars,
    nach diesem Wettbewerb war mir klar, dass auch ich kein "Bergläufer" bin, zumindest nicht, wenn der Berg eine Steilheit aufweist, bei der Wanderer schon an ihre Grenzen stoßen. Ich gebe dir Recht, die Bewunderung gehört allen die (heil) oben angekommen sind!
    Liebe Grüße aus dem heißen Kärnten - Reinhard

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  12. hallo reinhard,
    gratuliere zu deinem erfolg, ich hab mich sehr gefreut, dich zu treffen. ich kann dir in einem nicht recht geben: nach einem lauf, bei dem man auch noch nicht mal fit ist, kann man keine entscheidung über das berglaufen treffen. ich war heuer das 3. mal dabei, die ersten beiden mal auch jedesmal über 2:30h, aber das ist ok. ein zweiter vorteil dieser läufe ist, dass man durch das "viele" gehen meist keine nachwirkungen am nächsten tag hat, und das genieße ich. das schönste aber am glocknerlauf ist für mich das durchlaufen der verschiedenen "vegetationszonen", vom start im grünen dorf über die waldzonen, hin zur baumgrenze und von dort ins gletschergebiet. einfach traumhaft, ich werde, so gott will, sicher wieder starten, ... und auch dich nochmals dazu motivieren. ps: hab von mario schönherr einen lauf erhalten, den du dir mal anschauen solltest (http://www.woerthersee-trail.com/de/), werde ev. teilnehmen.

    lg siegi, bis bald auf einen kaffee in spittal

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  13. Cool! Das ist doch das Schöne am Berglauf. All die Zeiten sind Schall und Rauch - nur das Ergebnis zählt.
    Berglauf ist einfach klasse und schreit sicherlich bei Dir auch nach "Wiederholung".
    Ich sehe es genauso wie Du, es muss schon der Grossteil des Laufes auch läuferisch bewältigt werden können. Ich erinnere mich an meine Teilnahme am Drei Zinnen Marathon. Da war ich schlecht trainiert und konnte mehr als die Hälfte (zumindest gefühlt) nicht läuferisch absolvieren. Das hat mich nur noch genervt....
    Also, bleib' am Ball was den Berglauf angeht! :-)

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  14. Mein Opa hat auch mitgemacht und ist über 70 !!!!!!
    Ein hoch auf OOOOOOpaaaaa!! =)

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